Reitende Elefanten 012: Steuerungs- und Regelungsmüdigkeit
Shownotes
Reitende Elefanten 012: Steuerungs- und Regelungsmüdigkeit
Veröffentlichungsdatum: 26.10.2026 Länge der Folge: 21:08 Min. Hosts: Dominik Schwiering & Oliver Straubel
Worum geht’s? Wir alle kennen Situationen, in denen wir eigentlich wissen, wie wir uns verhalten sollten. Gelassen bleiben, vernünftig entscheiden, geduldig reagieren oder uns an die eigenen Vorsätze halten. Trotzdem gelingt uns das nicht immer. Manchmal fehlt uns schlicht die Energie oder die Bereitschaft, uns weiterhin selbst zu regulieren.
Diesen Zustand nennen wir Steuerungs- und Regelungsmüdigkeit. Ein Begriff für das Gefühl, irgendwann nicht mehr alles kontrollieren, abwägen und bewusst steuern zu wollen.
In dieser Folge sprechen Dominik Schwiering und Oliver Straubel darüber, warum Selbststeuerung Kraft kostet und weshalb wir gerade dann manchmal unvernünftig handeln, wenn wir es eigentlich besser wissen.
Dabei geht es auch um unsere eigenen Ansprüche. Wir möchten konsequent sein, uns verbessern und möglichst richtige Entscheidungen treffen. Doch was passiert, wenn die permanente Selbstoptimierung selbst zur Belastung wird? Und müssen wir wirklich jeden Widerspruch in unserem Verhalten auflösen?
Am Ende steht die Frage, wie wir mit unserer begrenzten Energie bewusster umgehen können. Denn nicht jede Ausnahme ist automatisch ein Fehler. Entscheidend ist, ob wir bewusst handeln, unsere eigenen Bedürfnisse verstehen und Verantwortung für die Konsequenzen übernehmen.
Zentrale Fragen der Folge:
- Was steckt hinter Steuerungs- und Regelungsmüdigkeit und wie macht sie sich im Alltag bemerkbar?
- Warum kostet es Energie, ständig Entscheidungen zu treffen, Emotionen zu regulieren und Erwartungen zu erfüllen?
- Weshalb handeln wir manchmal gegen besseres Wissen, obwohl wir die Konsequenzen kennen?
- Wann kann es sinnvoll sein, bewusst von den eigenen Vorsätzen abzuweichen?
- Warum fällt es uns so schwer, Widersprüche in unserem eigenen Verhalten zu akzeptieren?
- Wie erkennen wir, wo wir unsere Energie wirklich brauchen und wann wir auch mal loslassen können?
Themen der Folge:
- Steuerungs- und Regelungsmüdigkeit
- Elefant und Reiter
- Begrenzte Energie und Belastungssteuerung
- Widersprüche akzeptieren
- Bewusste Ausnahmen und Selbstverantwortung
Für wen?
- Für Führungskräfte, die ständig Entscheidungen treffen, Erwartungen erfüllen und Situationen steuern müssen
- Für alle, die hohe Ansprüche an sich selbst stellen und sich mit permanenter Selbstoptimierung manchmal selbst im Weg stehen
- Für Menschen, die ihre eigenen Widersprüche besser verstehen und bewusster mit ihrer begrenzten Energie umgehen möchten
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Haben Sie Fragen, Feedback oder Anregungen zur Folge? Wir freuen uns über Rückmeldungen.
Transkript anzeigen
00:00:00: Hallo und herzlich willkommen zur 12. Folge Reitende Elefanten, dem Podcast von Holism mit Dominik Schwiering und Olli Straubel.
00:00:09: Wir sind bei der 12. Folge angekommen und wie schon in der 7. Folge sind wir wieder in Portugal und hätte gedacht, dass wir dazwischen fünf Folgen liegen, also quasi. In der Tat, wir sind ja regelmäßig am Upload'en, wie man heutzutage sagt.
00:00:23: Ja, wir produzieren den Content für euch da draußen und dürfen es dann wieder hier machen in Portugal und das hat ja einen besonderen Grund.
00:00:34: Ja, immer. Strategie zum Jahresanfang, Strategie zum Jahresende und natürlich, wenn man ehrlich ist, dem fiesen Wetter in Deutschland zu entkommen. Gerade zur richtigen Zeit, wo es jetzt wieder schlechter wird und der Sommer sich Ende 17.
00:00:48: Ich bin aus München zurückgefahren am Donnerstag, letzter Woche und das war der erste Tag, wo es im strömenden Regen und ich habe auf der Autobahn stellenweise gar nichts mehr gesehen und habe mich dann damit gerettet, dass ich da sehr, ja, mach schön.
00:01:05: Am Freitag ist der Oliver in Portugal. Ja, und jetzt sind wir hier und da sind mittlerweile auch schon wieder fünf Tage vergangen. Jetzt müssen wir aufpassen, weil jetzt machen die Leute gleich aus. Da kann ich total verstehen, wenn man da.
00:01:18: Genau, und bevor jetzt jeder anfängt hier abzuschalten, würde ich sagen, wir starten in das Thema der Folge und da schmeiße ich dir den Ball rüber, Oliver, führ bitte einmal ins Thema ein. Anfängt abzuschalten ist auch schönes deutsches Möglichkeitenwort.
00:01:34: Steuerungs- und Regelungsmüdigkeit und der schöne Untertitel, warum es manchmal intelligent sein kann, gegen besseres Wissen zu handeln. Ich finde, wichtig ist hier manchmal.
00:01:45: Es ist nicht immer intelligent gegen besseres Wissen zu handeln, sondern eben manchmal. Aber ich glaube, spannender ist ja die Frage Steuerungs- und Regelungsmüdigkeit. Was ist das denn?
00:01:56: Ist ein Begriff, den du wahrscheinlich nicht nur wir kennen, ein paar Kunden von dir wahrscheinlich auch und wir auch. Ja, das kriegen die von mir immer dargestellt, weil wir haben ja, wenn wir eins festgestellt haben in den letzten Jahren, finde ich, ist es ja oft, wenn der Gegner einen Namen hat, dann kann man ihn besser bekämpfen bzw. ihn ernster nehmen.
00:02:15: Boah, irgendwie fühle ich mich nicht so richtig gut und was ja auch nicht. Und ich habe kein Bock mehr und alles wird mir zu viel, aber irgendwie auch nicht. Und außerdem, eigentlich müsste es mir doch gut gehen.
00:02:25: Kennst du den Zustand? Denen kenne ich sehr häufig und den darf man ja auch sehr häufig regulieren, wenn ich sogar ständig und auch steuern.
00:02:35: Und ich glaube, den kennen wir ja alles, wenn wir mit Emotionen, Erwartungen, vielleicht nur eine Beziehung haben, Entscheidungen treffen müssen, Situationen, wie immer geht es halt darum, innerhalb dieser Situation zu steuern und zu regulieren.
00:02:47: Das ist ja das, was wir allen immer schon anbieten und wir haben auf jeden Fall schon über die siebte Folge gesprochen, da ging es aber auch in Konflikten um Steuern regulieren. Da haben wir den Regler und den Schalter gegeneinander gestellt und hier ist ja so, Steuern und regulieren ist grundsätzlich Gehol.
00:03:02: Und das Witzige, obwohl wir in der deutschen Sprache ja so viele Worte haben, bin ich jetzt 48 Jahre alt geworden und noch nicht dazu gekommen, dass mir einer sagen konnte, gibt es ein Wort für das fühlt sich nicht gut an?
00:03:15: Oder gibt es ein Wort für das fühlt sich ja genau richtig an? Ja toll, geil, mega, weiß ich nicht, vielleicht kennt die jüngere Generation da noch ganz andere Worte.
00:03:27: Oder Scheiße, Doof, Stress, aber das ist es ja nicht, sondern meistens hat man ja so einen Zustand, der irgendwas eigentlich ist, aber trotzdem ist nicht.
00:03:43: Eigentlich bin ich happy hier in Portugal zu sein und glücklich in die Sonne zu gucken, aber irgendwie es durfte sich arbeiten muss. Wenn ich jetzt zu Hause arbeiten müsste, wie gesagt jetzt auch noch der Regen da, aber irgendwie ist doch schön, ich habe so viele Aufträge.
00:03:56: Und diesen Zustand kennt wahrscheinlich jeder aus unterschiedlichsten Perspektiven und der kommt halt immer unterschiedlich heftig bei dir rein, je nachdem wie dein Steuerungs- und Regelungspensum gerade ist.
00:04:08: Wenn du permanent Blödsinn oder Semf verwalten musst und Steuern und Regen aufpassen musst, das ganze Ding, die ja auseinander fliegt. Und du hast gerade schon gesagt, Privatbeziehung, was für sich?
00:04:21: Und dann ist es ja auch immer das Unfaire Murphys Gesetz, es kommt ja immer alles zusammen. Natürlich, also wenn in deiner Beziehung alles in Ordnung ist, wenn mit deinen Freunden, mit deinen Eltern, mit deiner Frau, mit deinem Mann, alles ist cool, dann läuft es auch meistens in der Firma.
00:04:34: Und wenn nicht, nicht. Und das Witzige bei Steuerungs- und Regelungsmüdigkeit ist ja, es ist keine Diagnose aus der Medizin, es ist auch keine Depression, es ist auch nicht einfach nur Stress, es ist auch nicht einfach nur alles doof oder alles toll,
00:04:48: sondern es ist ein Zustand, den Manager erreichen können, aber bestenfalls vermeiden dürfen.
00:04:54: Weil es eigentlich, Steuern und Regulierendes Goal ist immer richtig, aber manchmal hast du so viel gesteuert und reguliert und so viele Plätze und so viele Themen, an denen du bist und dann wird es interessant,
00:05:10: weil wenn alles wichtig ist, dann hat ja Wichtigkeit offensichtlich keine Relevanz mehr. Ja, definitiv. Und wenn man dann diese Steuerungs- und Steuern darf, jeden Tag aufs Neue, wird das halt irgendwann mal Alltag.
00:05:25: Und du beschäftigst dich jeden Tag immer wieder mit denselben Themen und nimmst es für gegeben, dass du dich halt jedes Mal genau um diese Themen mal kümmern darf. Wenn ein Elefantes gewohnt ist, dass du jeden Morgen erst mal anfangen musst, dich eine Stunde durchzukämpfen, damit du überhaupt wie ein Überblick hast,
00:05:41: dann nimmst du das ja gar nicht mehr wahr, als muss ich ja eigentlich alles wegschüppen. Manchmal fühlt man sich ja in dieser Position ja auch wohl und dann sind wir genau bei den Themen, die wir gerade angesprochen haben.
00:05:52: Wenn dann aber alles auf einmal auf einen Zug prasselt oder auf einmal drauf prasselt, dann befinden wir uns in der Suntation. Ich möchte jetzt hier einfach gerne weg, ich will einfach nicht sein. Wenn wir ehrlich sind, ist es ja eigentlich immer nur ein Gefühl.
00:06:06: Manchmal merke ich auch bei mir selber, manchmal kann das ja auch nicht genug sein. Da fühle ich das auch voll cool, so auch bei Mandaten, bei mir persönlich, bei Holism, bei allem so. Und manchmal ist es mir schon zu viel, mich eine E-Mail noch beantworten muss.
00:06:20: Oder dann macht mich eine E-Mail, wo ich noch nicht mal weiß, worum es geht. Nur, dass ich die sehe, dass die angekommen ist, mache mich wahnsinnig unnervös. Und dann kriege ich schon Schnapparten, wo ich denke, was soll ich noch alles machen?
00:06:32: Sehr gut bekanntes Gefühl. Ich glaube, die Situation haben wir glaube ich ganz gut rübergebracht. Deswegen würde ich so ein bisschen mal switchen, weil das Thema ist, woher kommt dann diese Müdigkeit denn eigentlich?
00:06:42: Kann man das einsortieren? Kann man das in unser Thema Fand und Reiter einsortieren? Wie kannst du das einschätzen? Woher kommt das? Sehr gut das Switch, weil jetzt kommen wir eigentlich zu dem Hauptthema.
00:06:54: Der Typ am Regler oder das Mädchen am Regler oder was auch immer am Regler. Also der Mensch am Regler hat nur begrenzte Energie. Jeder von uns hat nur begrenzte Energie. Egal, ob das für nur positiv oder für nur negativ da ist.
00:07:08: Kannst du dir vorstellen, wie eine Batterie. Es ist egal, ob du die Spannung, die du daraus ziehst, für tolle Sachen oder für doofe Sachen brauchst.
00:07:20: Irgendwann ist sie leer. Und so ist es bei dir selber auch. Du hast halt immer nur begrenzte Energie und wir insbesondere im Management wag ich die These, dass wir nicht immer so richtig intelligent mit unserer Energie haushalten.
00:07:34: So alles oder nix, Barfuß oder Lachschuh, Quid oder Double. So, dass wir irgendwann mal in so einem schönen Mittelfahrwasser sind.
00:07:43: Ich würde sogar so weit gehen, Menschen sind immer entweder im Mangel oder im Überfluss. Das ist natürlich eigentlich Quatsch der Zustand, aber irgendwie auch wieder richtig.
00:07:55: Stell dir vor, daher kommt dann diese Steuerungs- und Regelungsmüdigkeit. Wenn alles geil ist, entweder sagt der Deutsche, da kann man nicht meckern.
00:08:06: Oder du sagst, du bist schon fast zu warm. Dass du einmal sagst, genau richtig gibt es selten. Oder es fehlt dir manchmal nur ein bisschen. Und dann wird das aber zu so einem ganz großen Ding.
00:08:18: Dann freut man sich nicht mehr über das, was man hat, sondern fokussiert auf das, was man nicht hat. Und das kostet alles unfassbar viel Energie, weil du permanent am Abwägen dran bist, wie man im hohen Gebiet sagt.
00:08:31: Muss ich das noch machen, muss ich das noch machen, muss ich hier noch machen, muss ich da noch machen. Ja, und irgendwann ist die Energie alle. Und dann kommt die Steuerungs- und Regelungsmüdigkeit. Und Energie, wie du ja schon gerade richtig gesagt hast, ist einfach begrenzt. Und das ist für mich so der wichtigste Faktor.
00:08:44: Ich meine, ins Auto muss man ja auch irgendwie Benzin reinkippen. In den Körper muss man Nahrung reinkippen. Und so bekommt man halt eine Energie. Eine Surs, nicht mehr, nicht weniger. Ja, einfach mal von Brenzi. Und da muss man sie halt auch wieder aufladen.
00:08:56: Und ich glaube, das kann man auch ganz gut vergleichen mit dem Thema Profisportler, die funktionieren müssen. Und das zu genau den richtigen Momenten. Und wenn man sich den multimillionären Fußball anschaut,
00:09:08: dann sieht man ja schon, wenn die rumweckeln, wenn sie jeden dritten Spieltag irgendwas machen müssen. Aber das ist halt auch berechtigt. Also du kannst halt nur maximal Leistung an... Das Wort Belastungssteuerung ist ja mittlerweile auch in der Mitte der Gesellschaft angekommen.
00:09:21: Und so blöd, wie sich das manchmal anhört, so wichtig ist es aber auch. Weil Burnout ist ja auch in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Woher kommt's? Weil wir den ganzen Tag aus den Fenster geguckt haben? Wahrscheinlich nicht.
00:09:34: Weil wir mit unserem Energiehaushalt unintelligent umgegangen sind. Und das ist die netteste Beschreibung, die mir dazu einfällt. Und wenn man dann mal so auf unser Thema, so Schautstoß und Regelungsmöglichkeit,
00:09:45: das heißt halt für mich auch ganz häufig, dass ich Widersprüche aushalten muss, statt sie wegzuoptimieren. Widerspruch ist ja der beste Beweis dafür,
00:09:57: dass du in der Doppelsystemlogik angekommen bist, ist, wenn du es verstehst, sowohl als auch, statt ein Entweder oder zu denken. Wenn du dir sagen kannst, du bist Olli Straubel, du fährst aus München zurück nach Dortmund, 650 Kilometer.
00:10:11: Du hast eigentlich deine Kalorien für diesen Tag schon voll, weil es lecker war. Und du weißt das auch. Und du entscheidest dich trotzdem auf der Hälfte für das Snickers-Eis
00:10:22: oder für was weiß ich, irgendeine ungesunde Scheiße, die du dann brauchst. Und diesen Widerspruch auszuhalten und gut mit dir zu sein, das ist Steuern und Regeln
00:10:34: und die intelligente Ausnahme, wenn du die zur Regel machst, hast du ein Problem. Da passt du irgendwann nicht mehr hinter das Lenkrad. Wenn du das aber hin und wieder zulässt, arbeitest du damit gegen Steuerungs- und Regelungsmüdigkeit.
00:10:48: Ich weiß es besser und mach es trotzdem. Wenn das eine bewusste Ausnahme ist, statt ein unbemerktes Muster. Ja, du guckst interessiert. Ja, ich gucke interessiert definitiv,
00:11:01: musst du vielleicht nochmal ausholen. Ein unbemerktes Muster ist, wenn ich mir in jedem Meeting irgendwie 47-mal mit den Fingern knacken muss. Oder ein unbemerktes Muster ist zum Beispiel,
00:11:13: wenn ich mir permanent durch die Haare fahre, während ich eine Präsentation halte, weil ich glaube, damit könnte ich es wieder retten. Das ist ein unbemerktes Muster. Wenn ich bewusst entscheide, an der Tanke rauszufahren, mir ins Snickers-Eis zu holen,
00:11:26: das aufzuessen und der nächsten Tanke wieder rauszufahren, dann bin ich unbemerkt, dann mach ich es bewusst. Und dann ist es ein Ausscheiden aus der Routine und dann bin ich meiner Widersprüchlichkeit bewusst.
00:11:40: Dann bin ich bewusst, dass ich eine Kalorien-Tracking-App habe und da gleich bei zwei Snickers 900 Kalorien eintragen werde, obwohl ich schon 500 drüber bin. Trotzdem mache, das ist nicht unbewusst.
00:11:53: Vor allen Dingen, wenn ich es auch noch trage. Und dann nicht eintrage. Ja, das ist dann dumm. Das ist selbst Verarsche. Ich glaube, daran merkt man ja schon, wie anstrengend, so welche Widersprüche sind,
00:12:07: wenn man sich daran orientiert. Ich meine, die Fahrt ist anstrengend aus München, wie er nach Hause macht. Aber sich darauf bewusst darauf einzulassen, dass man halt genau in diesem Moment halt das Eis kauft, obwohl es ein Widerspruch ist,
00:12:19: gegen das, was man sich eigentlich vorgenommen hat. Ganz genau. Und das ist intelligentes Steuern und Regulieren. Und eben vor allen Dingen, ich weiß es besser, mache es trotzdem. Und ich will es noch mal sagen, weil es kann man nicht selbst, nicht genug loben,
00:12:33: dieses Sowohl als auch. Was so ein bisschen nach Altdeutsch klingt. Heißt aber, ich kann das eine stehen lassen und das andere. Ich muss mich nicht immer entscheiden.
00:12:45: Gelb oder schwarz. Rot oder blau. Ich kann Sowohl als auch. Ich kann München lieben und in Dortmund zu Hause sein. Das geht. Und ich glaube, genau diese Ambivalenz,
00:12:59: Sowohl als auch, selber für sich selbst auszuhalten, ist, glaube ich, ein relativ großes Thema. Zumindest ich glaube, dass viele Leute sehr nach Perfektion streben
00:13:11: und sich ja gar nicht erlauben, sich zu bewerten, dass es okay ist, einfach mal Steuern und Regeln zu sein und halt einfach zu sagen, okay, ich kann mir das mal erlauben, halt mal nicht zum Sport zu gehen,
00:13:24: mich an meiner Vorsitz zu halten oder direkt ins Gegenteil kippen und sagen, ach scheiß drauf, jetzt geht es halt auch nicht, dann reguliere ich gar nicht mehr, sondern dass es einfach nicht zukommt. Ja, genau.
00:13:36: Also vernünftig sein wollen und gelegentlich vernünftig handeln. Das ist eigentlich komplett in Ordnung. Ich gehe sogar so weit und sage, manchmal besteht vielleicht die Intelligenz eher darin,
00:13:49: mit dem eigenen Widersprüchen bewusst umzugehen, statt permanent zu versuchen, widerspruchsfrei zu leben. Das wirst du eh nicht schaffen. Ja, und ich glaube, das Thema zu verstehen, also genau das zu verstehen, dass man es halt nicht perfektionieren kann
00:14:03: und es da sind zu akzeptieren und einfach für sich ein Weg im Umgang zu finden, egal welches Thema das auch ist und manchmal zu akzeptieren, dass man einfach sich in diesem Zustand befindet, dass man jetzt einfach nicht mehr regulieren möchte.
00:14:16: Ja, und sich bewusst machen, um das zu erlauben, hin und wieder einfach mal seine Belohnung zu kriegen, egal wie unvernünftig der Reiter die bewertet. Genau, und wir bewerten als Reiter,
00:14:30: glaube ich, relativ streng, was wir zu tun haben. Nach dem, was wir gewohnt sind vom Elefanten, da sind wir wieder doch im System, aber hast recht. Ja, das sind wir richtig aus eigener Erfahrung, aber die Differenzzeit dazwischen einfach zu verstehen,
00:14:42: dass man sich manchmal selbst behindern kann und gleichzeitig für sich selbst sorgen kann. Auf jeden Fall. Das finde ich sehr, sehr gut. Selbstbehinderung passiert ja meistens auch aus ehesten Motiv.
00:14:54: Wenn ich mir selber niemals erlaube, mal eine Pause zu machen, mal einfach, wie sagt man so schön, 5 Grad sein zu lassen, mal über die Strenge zu schlagen, weil ich permanent darauf bedacht bin, dass meine Schrittezähler-App
00:15:07: und meine Kalorienzähler-App und meine 27 anderen Selbstoptimierungs-App alle in grünen Bereich anzeigen. Ja, dann würde ich dir empfehlen, einfach mal das Handy wegzuschmeißen an, übrigens.
00:15:20: Und wenn du irgendwann begreifst, dass vielleicht 3 Kilo mehr nicht dein Problem sind, sondern dass permanente Streben nach Perfektionen dein Problem sein könnten oder viel mehr dein Problem sind, dann kriegen die Worte Selbstbehinderung und Selbstoptimierung plötzlich immer
00:15:34: eine ganz andere Darstellung. Und sei dir bewusst oder seid dir sicher, Menschen, die permanent an sich selber regeln und steuern, sind permanent steuerungs- und regelungsmüde
00:15:45: und die reagieren dann bei der kleinsten Nachfrage obwohl du weißt, obwohl sie selber wissen, das ist jetzt gar nicht wollten. Oder du hast so viel im Zweifel Energie verschossen
00:15:58: für irgendwas, wo du gerade bist und dann kommt einer daher und sagt, gehen wir heute Abend noch was trinken. Schreist du den an, als ob er dir gerade angeboten hätte, irgendwie weiß ich nicht, ein Gesicht in die Biomülltonne zu packen irgendwie. Hat er aber nicht,
00:16:11: er hat dich eingeladen im Zweifel und du weißt du nicht, dass wir steuerungs- und regelungsmüde sind und dann schließt sich wieder der Kreis. Und das passiert eben durch alles,
00:16:24: ob du manchmal musst du halt im Business oder auch privat so viel regulieren, steuern und aufpassen, dass du dann für andere Sachen keine Energie mehr hast, roter Faden.
00:16:36: Und manchmal machst du das bewusst, dann ist das total sinnvoll und intelligent, weil dann kannst du auch bewusst mal aussteigen und manche Sachen hast du dir unbewusst Selbstbehinderung selber auferlegt
00:16:49: 70% deiner Energie mit Sachen, die du einfach lassen könntest. Das möchte ich ganz häufig Teenagern sagen. Ne, mach einfach Handy back. Dann geht's dir gut. Ja gut, da sind wir ja beim Thema schon.
00:17:01: Wir machen ja so ein bisschen persönliche Wertung darin. Wir wollen ja jetzt hier keinen Bäschen, der hier gerne Sport macht oder sonst was. Machst du ja auch, ich ja auch, glaub auch viel. Ja, definitiv. Aber um das vielleicht einfach nochmal nicht genau richtig zu stellen,
00:17:14: aber nochmal den Fokus zu wechseln, das Thema, wo brauchen wir eigentlich was macht uns eigentlich glücklich? Was macht unseren Elefanten zufrieden? Vielleicht kannst du da uns noch mit auf den Weg nehmen. Ich würde einfach so mit einem vielleicht ein bisschen,
00:17:28: ich weiß ja, Philosophie, ne? So, vielleicht dürfen wir uns gelegentlich einfach dieser Müdigkeit hingeben, damit wir dort am Regler bleiben können, wo wir auf jeden Fall steuern sollten.
00:17:40: Weil ich erlebe in meiner beruflichen Bahn immer wieder, dass wir so Hardcore-Verwechslungen haben, dessen was wichtig ist und was wir alles tun müssen.
00:17:51: Oder, dass wir permanent alles auf Pionul gesetzt haben. Und ich habe es vorhin schon mal eingangs gesagt, wenn alles wichtig ist, hat wichtig sein keine Priorität mehr.
00:18:02: Und manchmal müssen wir einfach mal bewusst etwas verändern oder uns mal bewusst rausnehmen. Und vor allen Dingen, glaube ich, da sind wir ja noch gar nicht so richtig gewesen bei der Selbstverantwortung.
00:18:15: Also, ich kann das nur für mich selber entscheiden. Ich weiß nicht, was du brauchst, wenn du von München nach Dortmund fährst. Vielleicht Ruhe, vielleicht ein Abteil, wo du YouTube gucken kannst.
00:18:28: So, ich brauche uns Snickers-Eis. Und mein Gut, mein Richtig, mein Falsch, mein Toll ist nicht zwingend Deins. Und wenn ich dann noch versuche, dir das fortzusteuern und zu regulieren. So, nee, dann verschwende ich wieder Energie. Weißt du, wo ich hin will?
00:18:41: Also, ich weiß nicht, was du meinst. Andere können für uns nicht herausfinden, was wir brauchen oder wo wir geregelt werden können. Ja, oder wo wir gesteuert werden sollten. Also, es ist sich das mal ganz bewusst zu machen
00:18:55: und zu sagen, wenn ich ein Erschöpfungsgefühl habe, dann vielleicht mal nicht versuchen, noch mehr zu steuern und zu regulieren und noch mehr zu machen. Sondern mal vielleicht mit weniger versuchen.
00:19:07: Ja, genau. Und ich glaube, das Thema, das wird uns ja jetzt eigentlich auch schon in den letzten 2-3 Folgen, glaube ich, begleitet, ist ja das Thema, sich selbst erstmal zu verstehen und dann auch selber zu akzeptieren, dass es so ist, wie es halt ist. Und damit umzugehen.
00:19:19: Wenn ich dir das Wort fallen darf, genau richtig, diese Elefante und Reiter nochmal zu nehmen. Es ist ein Widerspruch in sich, dass du mit deiner Logik versuchst,
00:19:31: deine Emotionen zu steuern. Und vielleicht ist es manchmal gut, sich den Elefanten wirklich vorzustellen und sagen, okay, du hast recht, heute machen wir es nicht. Oder heute machen wir es bewusst. Es gibt ja diese Schulschwänzer-Syndrom.
00:19:44: Da sagt man, wenn ein Schulschwänzer 2 Tage nicht in der Schule war, ist am 3. Tag kein Problem wiederzukommen. Dann fragt kaum einer, was war denn und sonst was, weil dann Wasser hat 2 Tage, kann immer mal passieren. Wenn er aber 3 Wochen nicht in der Schule war,
00:19:57: wird es immer schwerer, wieder reinzukommen, weil dann wollen alle wissen, was in den 3 Wochen gewesen ist und so weiter und so fort. Und diese Schulschwänzer-Syndrom sagt, dass es halt sehr, sehr schwierig ist, wenn du lange raus bist oder rauszugehen, wenn du lange drin warst.
00:20:10: Das kannst du ja drehen, wie du willst. Und sich dessen vielleicht einfach mal bewusst zu sein und diese Widersprüchlichkeit auszuhalten und vor allen Dingen zu begreifen, dass jeder Mensch nur begrenzt Energie hat
00:20:23: und dass er sich deswegen manchmal dieser Widersprüchlichkeit hingeben darf, damit er in den wirklich relevanten Dingen am Steuerrad bleiben kann. Wunderbar. Dann würde ich sagen,
00:20:35: wir können hier erstmal einen Stopp machen und wir können uns hingeben, dass wir eine gute Folge abgeleistet haben. Ich hoffe, es fühlt sich gerade so an, würde ich sagen. Ja, definitiv.
00:20:47: Wir können jetzt aufhören, Steuern zu regeln und wir können uns jetzt in den Feierabend verabschieden. Und ich hätte da eine Idee, wie wir das jetzt gleich machen. Ja, mit Selbstbehinderung. Selbstbehinderung ist ein schönes Stichwort.
00:20:59: Ja, damit würde ich sagen, vielen Dank fürs Zuhören und ich sage tschüss. Ja, und wie immer, bleibt fröhlich
00:21:07: und machts gut, bis bald.
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